Der Tod eines geliebten Menschen, wie packt man das ?!!?



Der Tod eines geliebten Menschen, wie packt man das ?!!?

 

Ein schweres Thema, aber ich versuche es mal, natürlich eine ganz subjektive Sichtweise.

Die Logik und die Wissenschaft sagen uns, vor der Geburt war Nix - und nach dem Tode kommt auch Nix !! Unser ganzes Sein beschränkt sich auf die Zeit dazwischen !!!

ABER ! Sollte es da doch einen Hauch einer Chance von einer anderen Art der Existenz nach dem Tode geben, nehme ich es einfach mal als gegeben an. Ich will keine Möglichkeit außer Acht lassen, wenn der geliebte Mensch noch da sein könnte, in einem anderen Raum, den ich nur nicht betreten kann, er mich und mein Tun aber noch mitverfolgen kann!

Der Todestag meiner Frau ist nach wie vor der schwärzeste, schlimmste Tag in meinem Leben. Und JA, auch nach 2 Jahren tut es immer noch weh! Und der meist gutgemeinte, aufbauende Satz "Das Leben geht weiter" nützt Nix !

NEIN, das Leben geht nicht weiter !! - Zu mindestens nicht so, wie es gewesen ist !! Mit dem Tod ändert sich letztendlich alles, es ist eines der einschneidesten Ereignisse in unserem Leben, dem man sich stellen muss, das verarbeitet werden will. Viele verzweifeln in diesem Moment, aber man kann es packen - das ist dann "Trauerarbeit".

"Meine Chronologie" der Ereignisse:

07.05. 2015 gegen 23:45 Uhr - Anruf im Hospiz mit der Nachfrage, ob alles ok ist. Habe ich immer gemacht, bevor ich mich schlafen gelegt habe. Es war alles ok mit meinem Schatz..., für den nächsten Tag (Muttertag) war ein Besuch der Kinder ( erwachsen ) und Enkel geplant. Conny hatte einer Schwester gegenüber erwähnt, dass sie gerne die Enkel sehen wolle. Obwohl sie das sonst eigentlich ablehnte - die "Kleinen" sollten ihren körperlichen Verfall nicht als Erinnerung im Kopf haben. Nun denn, ihr Wunsch, also sollte es so sein...........

08.05.2015 um 00:10 - Anruf von der Nachtschwester des Hospizes "Ihre Frau ist greade friedlich eingeschlafen !!"   Da war es - das große schwarze Loch - es riss mir den Boden unter den Füssen weg....... Hilflosigkeit, Schmerz, Tränen, Angst und eine nie gekannte Einsamkeit verursachten ein absolutes emotionales Chaos in mir - totaler Kontrollverlust - wie versteinert saß ich die nächsten Stunden der Nacht in unserer plötzlich so leeren Wohnung.... Diese "Schockstarre" legte sich gegen Morgen, Gott sei Dank.....  Gegen Morgen nahm der Gedanke in mir immer mehr Gestalt an, dass Conny trotz der schweren Medikamente in einem wachen Moment realisiert hat, was sie sich da bei der Schwester gewünscht hatte, entgegen ihrer eigenen Überzeugung! Und auch ihre "Kampfkraft" und Leidensfähigkeit war am Ende angelangt, und sie hat selbstbestimmt das Leben losgelassen....... Dieser Gedanke hielt mich für die nächsten Stunden aufrecht und handlungsfähig..........

Und dann ging es doch weiter, mein Leben, anders, neu, traurig, beginnend mit der "Trauerarbeit", von mir noch unbemerkt, aber sie begann !!

Am Morgen traf ich mich mit den Kindern (ohne Enkel) am Hospiz und ich ging erstmal alleine zu Conny, auch um mir ein Bild zu machen, ob sie wirklich "friedlich eingeschlafen" war, oder ob man evtl. Spuren des Sterbens sieht und es sinnvoller wäre den Kindern zu empfehlen, sie wie in Lebzeiten in Erinnerung zu behalten. Doch die Sorge war unnötig, sie lag friedlich, schon vom Hospiz umgekleidet, in ihrem Bett, und das Abschiednehmen von ihr begann in kleinen Schritten.

Danach retteten mich dann die nötigen Schritte, die man veranlassen muss, wenn ein Todesfall eingetreten ist, vor dem seelischen Absturz. Ich warf mich mit aller Energie in die Aufgaben, die es zu bewältigen gab. An dieser Stelle Dank an den Bestatter, der mir in allen Belangen sehr zur Seite stand, ohne dessen Menschlichkeit, Toleranz und Entgegenkommen die sehr würdevolle und doch persönlich auf Conny zugeschnittene Beisetzung nicht möglich gewesen wäre! Ich habe wirklich sehr viel Unterstützung in meinem Umfeld erhalten und bin froh, so viele tolle Menschen kennen zu dürfen!!

Nachdem alles geregelt war, und auch die Beisetzung ( ich hoffe sie wurde Conny gerecht ) erfolgt ist, war es wieder da, das schwarze Loch.......

Was dann folgt, sind verschiedene Stufen der Trauerbewältigung, individuell verschieden in Größe und Ausmaß, aber ansonsten in jedem Menschen wohl gleich angelegt.

Traurigkeit und Tränen - sich verlassen fühlen - suizidale Gedanken - Wut auf den Verstorbenen, weil er einen alleine lässt - auch "unmögliche" Aktivitäten, um sich vom "Leiden" abzulenken. All das geschieht einfach, da muss man durch, das ist Trauerarbeit. Und ich wünsche Jedem, der in dieser Situation ist, Menschen in seinem Umfeld, die ihm da durch helfen. Ich habe das Glück in einem Umfeld zu leben, in dem es diese wertvollen Menschen gibt!!

FAZIT: Es ist jetzt über 2 Jahre her, "mein Leben" geht weiter, aber es ist anders als zuvor.....

Es tut immer noch weh, aber der Schmerz ist ein anderer.....

Ich gehe einfach davon aus, dass Conny mein Leben begleitet, also ist sie Teil meines heutigen Lebens, wir haben nur 2 verschiedene Adressen, und können uns nicht besuchen....

Ich bin alleine, aber nicht einsam...... und Positives habe ich auch aus dem Verlust gelernt !

Ich weiß, dass Alles endlich ist. Ich schiebe nichts mehr auf die lange Bank, versuche meine Lebensträume zu erfüllen, lebe meine Freundschaften JETZT, brauche keine Besitztümer, Zufriedenheit gibt es nicht zu kaufen, Menschen und schöne Erlebnisse sind der wahre Reichtum!! Selbstbestimmung und Freiheit die wirklichen Güter, die man(n) braucht......

Ich habe nochmal neu von Vorne angefangen, mein Leben aufgeräumt, stehe zu meiner Vergangenheit, lebe in meiner Gegenwart und habe Ziele für die Zukunft!

Connys Tod ist mein größter Verlust, dennoch versteckten sich in diesem Verlust auch Chancen, sodaß ich heute ein zufriedenes, mir gerechtes Leben führen kann.

Ohne Kompromisse an eine oberflächliche Gesellschaft und deren Konventionen !!

Conny hat es schon zu Lebzeiten geschafft, meine guten Seiten wieder frei zu legen, und irgendwie schafft sie das auch heute noch irgendwie - Sie ist nicht wirklich weg.....

 

ICH LIEBE SIE !!!

 

Liebe ist halt ein Buch in 2 Bänden, fehlt 1 Band - fehlt ein halbes Leben, aber in dem anderen Band kann man ja immer noch lesen.

 

PS:  Haben diese Zeilen auch nur einem Menschen bei seiner Trauerarbeit irgendwie geholfen, dann hat dieser Beitrag seine Berechtigung und Ziel erfüllt.

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Per Kristoffersen, Member Blackgreen Nomads